Jahrestreffen im St. Antonius in Hörstel

Am 3. November fand das Treffen der in Hörstel engagierten Selbsthilfegruppen statt. In diesem Jahr waren unsere Gruppen durch Thomas, Ralf und mich dort vertreten. Nach der Begrüßung durch Herrn Heudtlass wurden noch einmal die Vorstellungstermine für 2016 besprochen und aktualisiert. Für uns hat sich nichts verändert, wir werden weiterhin an sechs Terminen, jeweils montags unsere Gruppe vorstellen.

Im Anschluss gab Herr Heudtlass uns einen kurzen Überblick zu Veränderungen in der Klinik im Jahr 2015. Im wesentlichen waren dies Maßnahmen zu mehr Eigenverantwortung der Patienten (z.B. sind nur noch zwei Besuche bei Gruppenvorstellungen Pflicht) und Veränderungen im personellen Bereich.

In der folgenden Frage-Antwort-Runde wurde von einem Besucher der Mangel an Selbsthilfegruppen für von illegalen Drogen abhängige Menschen angesprochen. Unser Hinweis, das wir bereits seit einem halben Jahr eine solche Gruppe anbieten, wurde sowohl von Herrn Heudtlass als auch von den Vertretern der anderen Gruppen mit großem Interesse aufgenommen. Beide hätten gerne noch weitere Informationen dazu gehabt, der Zeitrahmen ließ das jedoch nicht zu. Ich konnte aber zusagen, das wir in kürze hier auf unserer Website, von den ersten Erfahrungen mit dieser, vor allen von jungen Menschen besuchten Gruppe, berichten werden.

Das Highlight an diesem Abend (neben dem vorzüglichen Buffet natürlich) war der Vortrag von Herrn Dr. Schubrink „Gehirn-Doping“ oder auf gut deutsch „Neuro Enhancement“. Was das genau ist, wird auf dem folgenden Video erklärt.

 

Dr. Schubrink wies darauf hin, dass neben den im Video genannten Pharmaka, auch illegale Amphetamine (z.B. Ecstasy) oder Kokain als Neuro Enhancer  eine Rolle spielen. Die nicht bestimmungsgemäße Einnahme von verschreibungspflichtigen Medikamenten stellt einen Missbrauch dar und die von Drogen wie z.B. Kokain ist illegal. Zudem ist es wohl so, dass gleichzeitig dämpfende Medikamente, Benzodiazipine benötigt werden, um ab einem gewissen Zeitpunkt die anregenden und euphorisierende Wirkung von Amphetaminen aufzuheben. Fast alle genannten Substanzen haben ein hohes Suchtpotential und meiner Meinung nach ist eine Abhängigkeitserkrankung bei regelmäßigen Nutzern vorprogrammiert. Daher gibt es von mir auf die Frage, ob „Gehirn-Doping“ ein sinnvolles Mittel zur Leistungssteigerung bei gesunden Menschen sein kann, ein klares nein.

In seinem Vortrag sprach Herr Dr. Schubrink im Zusammenhang mit den Zwängen unserer Gesellschaft, wie optimale Leistung um jeden Preis, immer schneller höher weiter, vom heutigen Zeitgeist und stellte einen Vergleich zur Ära der Punks und Yuppies her. Dem konnte ich nun gar nicht zustimmen.

Ich halte es vielmehr für notwendiger, sich kritisch mit den gesellschaftlichen Normen und Werten auseinanderzusetzen, die den Konsum  von Arzneimitteln, mit nicht absehbaren Nebenwirkungen und illegaler Drogen fördern. Denn ich möchte nicht über das Symptom „Neuro Enhancement“  nachdenken und dabei die Ursache aus den Augen verlieren. Das habe ich in der anschließenden kurzen Diskussion über das Thema auch deutlich zum Ausdruck gebracht.

Gerne hätte ich, wie auch einige andere der Gäste, mit Dr. Schubrink und Herrn Heudtlass dieses Thema diskutiert. Doch leider fehlte auch hier einfach die Zeit. Vielleicht gibt es an anderer Stelle noch einmal die Gelegenheit sich mit Gehirn-Doping zu beschäftigen. Für wünschenswert halte ich es allemal.

 

Bevor wir uns dann alle Richtung Buffet aufgemacht haben, gab es noch Live Musik von einer Gruppe aus aktuellen und ehemaligen Patienten, Angestellten der Klinik und Menschen aus der Umgebung (!). Bekannte Stücke zum Mitspielen und Mitsingen. Und dann das Essen: wie gesagt, hervorragend. Wir sind erst ziemlich spät nach Hause gefahren, weil ich so viel vom Dessert essen musste!

Für mich war es ein sehr unterhaltsamer Abend. Ich werde gerne wieder hinfahren.

Michael Emrich

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